Monatszeitschrift AA-DACH

AA-DACH, die Zeitschrift der deutschsprachigen Anonymen Alkoholiker erscheint monatlich und kann in der Printversion ausschließlich über unser gemeinsames Dienstbüro in Deutschland bezogen werden.
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Die in AA-DACH veröffentlichten Artikel sind Beiträge von AA-Freund*innen, die auf ihren Erfahrungen mit der Nüchternheit mithilfe des AA-Programms beruhen. Sie stellen keine Stellungnahme der Gemeinschaft der AA dar und können nicht auf AA als Ganzes bezogen werden, vielmehr präsentiert sich die AA-Gemeinschaft hier in all ihrer Verschiedenheit und Verbundenheit.
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LESEPROBE AA-DACH August 2026:
Schuld und Scham überwinden
Das Loslassen meiner schwersten Lasten im Sechsten und Siebten Schritt ist mir hoffentlich im Großen und Ganzen gelungen, sodass ich mich anschließend auf den Achten Schritt konzentrieren konnte.
Der Achte Schritt machte mir Angst, weil ich dachte, dass er mich überfordern könnte. Es hätte mir passieren können, dass ich vor lauter Schuld- und Schamgefühlen diesen Schritt einfach übersprungen hätte. Mein Sponsor sagte mir jedoch, dass diese Emotionen normal und ein Bestandteil meines Genesungsprozesses seien.
Viele vor mir hatten diesen Weg schon überstanden. Also war ich mit meinen Bedenken und Gefühlen nicht allein. Außerdem ging es nur um das Erstellen einer Liste, wobei mir niemand gegenüberstand, und ich somit nichts zu befürchten hatte. Auch wenn sich mein Ego beim Achten Schritt (wie schon beim Vierten Schritt) dagegen sträubte, war absolute Ehrlichkeit hier unerlässlich. Denn Ehrlichkeit ist die Voraussetzung für meine Nüchternheit.
Ehrlichkeit ist unerlässlich
Wir konnten damals nicht viel mit dem Wort „Sponsor“ anfangen, wir nannten sie „gute AA-Freunde“. Diese Vertrauensperson, die ich mir sorgsam ausgesucht hatte, unterstützte mich dabei, gewisse Dinge auf die Liste zu setzen, die ich am liebsten weggelassen hätte. Manche Dinge hatte ich verharmlost und versucht, sie rational zu erklären. Aber diese gehörten erst recht auf die Liste. Mein „guter Freund“ ging mit mir mit absoluter Ehrlichkeit diese Liste durch und gab mir Sicherheit und Orientierung.
Bill W. sagte sinngemäß, dass ich für meine Taten die vollen Konsequenzen zu tragen habe und gleichzeitig die Verantwortung für das Wohlergehen anderer übernehme.
Ich war oft über meine Fehler verletzt und hatte das Gefühl, dass ich mich bloßstellte. Diese Gefühle zu überwinden und meine Fehler und Schwächen zu akzeptieren, ist notwendig, um ein anderer Mensch zu werden. Besser bin ich dadurch nicht geworden, aber ich bin anders. Der Achte Schritt ist auch kein strafender Schritt, sondern er öffnet mir den Weg zur Versöhnung und zum Aufbau von Beziehungen. Daraus entsteht neues Vertrauen. Die Last der Vergangenheit wird schwinden.
Der Achte Schritt ist ein entscheidender Teil meines Weges. Mit seiner Hilfe konnte ich erkennen, welche Menschen ich verletzt hatte. Bei vielen konnte ich auch Wiedergutmachung leisten. Viele meiner Fehler in der Vergangenheit sind darauf zurückzuführen, dass ich mich auf Kosten anderer profilieren wollte.
Nur eine Liste?
Als ich damals die Liste aufstellte, schrieb ich beim ersten Versuch nur das auf, was meiner Meinung nach darauf gehörte. Beim zweiten Versuch habe ich dann alles aufgeschrieben, was mir so in den Sinn kam. Ich ließ mir die Liste noch zweimal durch den Kopf gehen und holte mir (wie beim Arzt) eine zweite Meinung ein. Da ich keine Erfahrung hatte, fragte ich einen „guten Freund“, der mir schon einiges an Erfahrung voraushatte.
Er empfahl mir bei allen Personen, denen ich Schaden zugefügt hatte, ein Kreuz zu machen. Dazu gehörten Angehörige, Freunde, Kollegen und auch Fremde. Da ich Täter und nicht Opfer war, hatte ich mich selbst nicht auf die Liste gesetzt. Ich hatte alles aufgeführt, große und kleine Schäden, die einem anderen Menschen Schmerz oder Leid zugefügt hatten.
Für diese Liste brauche ich zwar keine Gehirnwäsche, doch ist das gründliche Durchforsten meiner Taten und Worte, die in mir auch geringste Schuldgefühle auslösen könnten, sehr hilfreich. Es trägt dazu bei, mein moralisches Empfinden zu verbessern.
Keine Angst vor Wiedergutmachung!
Hilfreich ist auch zu überlegen, auf welche Art ich andere verletzt habe. Bei mir waren es finanzielle Schäden, Stehlen, Lügen, Manipulation, Wortbruch, körperliche Schädigung und sozialer Schaden. Für all diese Vergehen war ich bereit zur Wiedergutmachung und ich sah ein, dass diese Personen auch eine Entschuldigung verdient hätten. Das ist nicht immer einfach, aber es lohnt sich.
Jedes Problem hat zwei Seiten und jeder bewertet Situationen anders. Es geht hier aber nicht darum, wer nun recht hat, sondern es geht um mich: Ich muss erkennen, wie ich meine Blockade und meine Ängste überwinden kann.
Der Achte Schritt hat bei mir gemischte Gefühle ausgelöst, denn ich hatte Angst vor Ablehnung, Groll, Schuld und Scham. Aber: Ich möchte wiedergutmachen und mich nicht bestrafen. Ich möchte zugeben, dass ich Fehler gemacht habe. Mir und anderen zu vergeben, ist für mich wichtig, um in meiner Genesung frei zu werden.
Dietmar H. / Neckarsulm
