Lebensgeschichten von einigen AA-Mitgliedern

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Mein Name ist Arthur - ich bin Alkoholiker

 

Diesem lapidaren Satz habe ich meine wiedererlangte körperliche und geistige Gesundheit zum größten Teil zu verdanken. Diese wenigen Worte haben für mich eine Bedeutung erlangt, die nur meine Freunde in AA ganz begreifen können.

 

Vor nunmehr 28 Monaten kam ich zum ersten Mal zu einem AA-Meeting. Innerlich zitternd und bebend, weil ich noch unter den Nachwirkungen meines letzten, zwei Tage dauernden Exzesses litt, war ich doch voller Hoffnung, wie sie ein Bankrotteur haben muss, der seine letzte Mark zum Wettschalter trägt: "Alles oder Nichts". - Was ich damals nicht wusste, war die Tatsache, dass meine Chance tausendmal größer war als die eines finanziellen Bankrotteurs; denn ich konnte bei AA nur gewinnen. Es gab keine Nieten.

Als Heranwachsender hatte ich den ersten Vollrausch, und seitdem war der Alkohol dominierend in meinem Leben. Immer in finanziellen Schwierigkeiten - immer auf der Flucht vor mir selbst - Schulden - immer kurz vor der Entlassung stehend - den Arbeitsplatz oft wechselnd und immer mit dem festen Vorsatz: "Ab morgen kein Tropfen mehr - und ein neues Leben anfangen".


Aber der Alkohol ließ sich nicht von mir beherrschen, sondern er beherrschte mich. Wegen einer Bagatellschuld wollte ich zur Fremdenlegion, nachdem ich wieder einmal, statt eine Rate zu bezahlen, alles vertrunken hatte. Im letzten Augenblick stellte mich die Kriminalpolizei, und ich wurde auf "Staatskosten" wieder nach Hause befördert. Dabei lernte ich so ziemlich alle Haftanstalten, die auf dem Wege lagen, von innen kennen.

Da ich gewillt war, meine Schuld zu bezahlen, wurde ich bald wieder auf freien Fuß gesetzt. Doch alle guten Vorsätze waren dahin, als ich - die ausgefüllte Zahlkarte in der Tasche - in eine Gaststätte ging und zwei Glas Bier und zwei Schnäpse getrunken hatte. Mein Erinnerungsvermögen setzte wieder ein, als ich am anderen Tage auf einer Parkbank erwachte.

Auch die Ehe, in die ich mich nach einiger Zeit flüchtete, vermochte nicht, den unaufhaltsam fortschreitenden körperlichen und geistig-seelischen Verfall zu bremsen. Haft - Führerscheinentzug - Ausnüchterungszelle - trockenes Würgen - Angst - Schweißausbrüche - und schließlich der völlige Zusammenbruch nach einer sieben Tage dauernden "Tour". Selbstmordversuch - das war das Fazit.

Wie meine Frau das die ganze Zeit ertragen hat, ist unbeschreiblich. Wenn ich heute zurückblicke, wird mir erst voll bewusst, wie weit ich heruntergekommen war.

Nach Tagen völliger Verzweiflung nahm ich zunächst brieflich mit einer AA-Gruppe in der Nähe meiner Heimatstadt Kontakt auf. Der erste Besuch eines Meetings folgte. Als ich dann aufhörte, auch nur einen einzigen Schluck Alkohol zu trinken und mich bemühte, nach dem Vorbild meiner neuen Freunde zu leben, als ich auf den Rat der "älteren" AA hörte und mir vornahm, immer nur die nächsten 24 Stunden nicht zu trinken, da lösten sich fast alle meine Probleme wie von selbst.

Was mir früher durch den Alkoholdunst verborgen blieb, enthüllte sich mir - und mir wurde klar, wie viel ich nachzuholen hatte, um mein 15 Jahre dauerndes Dämmerdasein wettzumachen. Aber auch selbst dann, wenn ich es nicht schaffen sollte, auch nur einen einzigen Tag aufzuholen, werde ich nicht verzweifeln, denn ich habe mich selbst gefunden. Eine wunderbare Ruhe und Gelassenheit ist in mir. Meiner Arbeit kann ich ungehindert nachgehen, und ich kann menschliche, finanzielle und sonstige Schwierigkeiten lösen. Nach einem Jahr Nüchternheit konnte ich wieder Auto fahren.

Es scheint mir heute wie ein Wunder, dass aus einem Menschen, der die Welt nicht mehr verstand, weil der Alkohol ihn auf der geistigen Stufe eines Minderjährigen stehen ließ;

  • weil er ihn aushöhlte und ihm die Kraft und die Möglichkeit nahm, in dieser Welt als vollwertiger Mensch zu leben, zu empfinden und zu denken;

  • der sein Leben wegwerfen wollte, weil er damit nichts Rechtes mehr anzufangen wusste;

  • der sein Dasein verfluchte und unzähligen Menschen nur Kummer und Leid bereitete;

  • dass dieser Mensch jemals wieder ein vollwertiges Mitglied der menschlichen Gesellschaft werden würde.

Dies alles war nur möglich, weil Männer und Frauen, AIkoholiker, die sich meiner annahmen und zu denen ich vom ersten Augenblick an Vertrauen hatte, mir das Verständnis entgegenbrachten, das ich brauchte und sonst nirgends fand, und weil diese es konnten, weil ja auch sie Alkoholiker waren.

Ich fand eine Kameradschaft und Zuflucht und darin immer jemanden, der bereit war, mir zuzuhören, zu raten und zu helfen, soweit es in seinen Kräften stand. Man kann sich dort "frei"sprechen wie sonst nirgends und hat dann wieder Raum in seinem Inneren für neue Erkenntnisse und bessere Taten. Ein normal trinkender Mensch konnte früher meine Art zu trinken nicht verstehen, und er versteht auch heute nicht, dass ein einziger Schluck Alkohol dieselbe Kettenreaktion auslösen würde, die mich an den Rand der Verzweiflung und beinahe ins Grab brachte.

Aus mir, dem einsamen Alkoholiker, der sein Leben nicht mehr meistern konnte und der aus dieser Welt fliehen wollte, wurde langsam ein Mensch, der das Leben liebt, weil er mit Hilfe der Gemeinschaft von AA eine geistige Wiedergeburt erlebt hat.

 

Ich heiße Cornelia, bin Alkoholikerin und wurde online trocken

 

 

Irgendwann hatte ich erkannt, dass mit meinem Alkoholkonsum etwas nicht stimmt. Gleichzeitig wurden mir starke Depressionen attestiert. So glaubte ich, sobald meine Depressionen therapiert werden, brauche ich auch zwangsläufig nicht mehr so viel trinken. Der Therapeut erklärte mir aber, dass ich in meiner Verfassung nicht therapierbar sei. Ich solle zu den Anonymen Alkoholikern gehen und erst einmal trocken werden. Dann könnte ich wieder kommen.

Das war nicht das, was ich hören wollte. Ich war doch keine Alkoholikerin! Trotzdem geisterte immer wieder das Wort „Anonyme Alkoholiker“ durch meinen Kopf. Ich trank mehr als je zuvor, obwohl ich immer sicherer wusste, dass ich ein Alkoholproblem habe und Hilfe brauche.

Ich las viel zum Thema Alkoholismus und entdeckte die AA-Website. Da fand ich die Lösung: Onlinemeeting. Denn zum Besuch eines realen Treffens war ich absolut nicht bereit. Da kamen die üblichen Ausreden wie „es könnte mich ja einer kennen“ usw. Außerdem war ich immer noch nicht bereit einzugestehen, dass ich tatsächlich Alkoholikerin bin.

Nach langem Zögern schaffte ich es endlich, eine Bitte um Aufnahme in das Online-Meeting für AA-Beginner abzuschicken. Und schon am nächsten Tag war ich drin. Ich las viel…und erst mal verstand ich gar nichts. Und trotzdem: Schon nach ein paar Tagen konnte ich tatsächlich das erste Glas stehen lassen. „Was die können, kann ich auch“ sagte ich mir.

Aber zufrieden war ich nicht. Auf einmal waren Gefühle da, die ich vorher weggesoffen hatte. Die wollte ich nicht. Damit konnte ich nicht umgehen.

Die Online-Freunde empfahlen mir eindringlich, in ein Meeting vor Ort zu gehen. Und als es mir bald verzweifelt dreckig ging, gab es nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder wieder zu trinken oder doch endlich meine Angst zu überwinden und in ein Meeting vor Ort zu gehen.

So kam ich mit sehr weichen Knien in mein erstes Meeting vor Ort. Von da ab hielt ich mich tagsüber an meinem Onlinemeeting fest und jeden Abend ging ich in mein Meeting.

Ich folgte der Empfehlung 90 Tage – 90 Meetings. Und tatsächlich: Langsam wurde alles besser.

Online war für mich der Einstieg in AA und in meine Trockenheit. Mit der Kombination Meeting vor Ort und Onlinemeeting bin ich nun schon über Jahre trocken. Für mich sind Onlinemeetings keine Konkurrenz zu den Meetings vor Ort – im Gegenteil – sie ergänzen sich. Ich möchte beides nicht mehr missen.

 

Mein Name ist Günther - ich bin Alkoholiker

Elf Jahre meines Lebens habe ich im Rausch verbracht. Dass es heute nicht mehr so ist, verdanke ich allein der Tatsache, dass es die Anonymen Alkoholiker gibt.

Dabei deutete nichts darauf hin, daß ich einmal Alkoholiker werden würde. Ich hatte ein gutes Elternhaus, erlernte den Maurerberuf und wurde mit 18 Jahren zum Grenzdienst eingezogen. Damals kam ich zum ersten Mal mit dem Alkohol in Berührung. Es wurde täglich aus Langeweile getrunken. Dazu kam, dass wir eine Kapelle gründeten. Das bedeutete für mich, dass ich noch mehr Zeit und Gelegenheit hatte, Alkohol zu trinken. Damals konnte ich aber trotz vielen Trinkens nicht bemerken, dass der Alkohol eine negative Wirkung auf mich hatte.

Auch wenn ich an einem Abend einmal sehr viel trank, genügte es, einmal richtig auszuschlafen, um wieder einsatzfähig zu sein. Meine Vorgesetzten schätzten mich, da ich alle gestellten Aufgaben zu ihrer Zufriedenheit erledigte. Und so kam es, dass ich ziemlich schnell befördert wurde. Zu dieser Zeit lernte ich meine Frau kennen. Obwohl ich ständig mehr trank, ist es ihr nicht aufgefallen, dass mir damals das Trinken schon zur Gewohnheit geworden war.

Selbst meine zukünftige Schwiegermutter schätzte mich anfangs. Als sie aber merkte, dass ich täglich mehr trank, verbot sie mir den Umgang mit ihrer Tochter. Trotzdem hielt meine Frau zu mir. Nach Beendigung meiner Dienstzeit heirateten wir.

Zunächst arbeitete ich in meinem Beruf als Maurer. Auf der Baustelle sowie bei Richtfesten wurde immer sehr viel getrunken, was mir aber nicht mehr genügte. Die Folge davon war, dass ich zu Hause weitertrank oder von der Arbeit aus gleich in die Gastwirtschaft ging. Wir wohnten damals auf einem Zimmer und konnten uns unnötige Ausgaben nicht leisten.

Es kam dadurch oft zu Ehestreitigkeiten, was natürlich für mich ein Grund mehr war, weiterzutrinken. Es genügte mir nun nicht mehr, während der Arbeit und nach Feierabend zu trinken - jetzt musste ich schon morgens eine oder mehrere Flaschen Bier haben, um überhaupt arbeiten zu können.

Wegen meiner Trinkerei musste ich mehrmals meine Arbeitsstelle wechseln. Da ich aber meine Arbeit noch einigermaßen anständig verrichtete, drückte man oft wegen des Trinkens ein Auge zu.

An nüchternen Tagen versprach ich meiner Frau immer wieder, mich zu bessern, was aber wieder vergessen war, sobald ich Alkohol hatte. Manchmal nahm ich mir vor, nur ein oder zwei Glas zu trinken - meistens entstanden daraus Trinkgelage von mehreren Stunden oder sogar Nächten. Jetzt passierte es mir schon, dass ich mich am nächsten Morgen gar nicht mehr erinnern konnte, wo ich getrunken hatte und wie lange. Jeder Sonntag endete in der Gosse. Den größten Teil des Geldes für den Lebensunterhalt musste meine Frau verdienen, da sie von mir nichts oder nur sehr wenig zu erwarten hatte.

Hatte ich einmal keinen besonderen Grund wegzugehen, fing ich absichtlich Streit an, um dann wieder nächtelang nicht nach Hause zu kommen. Oft war ich mittags schon wieder so betrunken, dass ich durch die Straßen schwankte und einmal sogar angefahren wurde.

War ich einmal nüchtern, versprach ich, mich zu bessern, trank ein paar Tage nicht und holte anschließend das Versäumte doppelt nach.

In all den Jahren habe ich nicht bemerkt, dass ich meine Frau mit meinem Lebenswandel zugrunde richtete. Sie stellte mich vor die Entscheidung: entweder Alkohol oder Familie!

Ich brauchte beides - aber den Alkohol an erster Stelle! Obwohl ich wusste, dass meine Frau recht hatte, ging alles so weiter wie bisher.

Dann entdeckte meine Frau einen Artikel in einer Zeitschrift, in dem über die Anonymen Alkoholiker berichtet wurde. Sie schrieb an die in dem Artikel angegebene Adresse eines AA-Dienstbüros, denn mir fehlte der Mut dazu. - Und ein paar Wochen später besuchte ich das erste Mal eine AA-Gruppe. Auf den ersten Blick schien ich der einzige Alkoholiker zu sein; denn außer mir sah keiner danach aus. Als ich die ersten Lebensgeschichten hörte, merkte ich, dass alle das gleiche Problem hatten. Keiner war damit allein fertig geworden.

Wie alle anderen versuchte ich, nur immer 24 Stunden lang nüchtern zu bleiben. Der Anfang fiel mir sehr schwer. Aber mit Hilfe meiner Freunde und nach regelmäßigen Gruppenbesuchen wurde ich langsam mit dem AA-Programm vertraut und versuchte, danach zu handeln. Doch ich hatte es mir zu leicht gemacht. Nach vier Rückfällen aber hatte ich endlich begriffen, dass ich als Alkoholiker nie wieder normal trinken kann.

Keiner machte mir Vorwürfe, sondern alle versuchten mir zu helfen. Das gab mir wieder Mut und Kraft, an mich selbst zu glauben.

Dem AA-Programm und meinen Freunden habe ich es zu verdanken, dass ich heute keinen Alkohol mehr trinke. Ich führe jetzt wieder ein normales Familienleben und kann mich heute an Dingen erfreuen, die ich früher nicht wahrnahm. Täglich versuche ich, dem Alkohol zu widerstehen und lebe nach dem Wahlspruch:

Es ist keine Schande, krank zu sein - es ist aber eine Schande, nichts dagegen zu tun!

 

Bob - Er schloss sich AA mit 18 an:

 

" Wenn ich morgens aufwache, frage mich nicht mehr, was ich in der vergangenen Nacht getan habe."

 

Als ich 18 war, trank ich täglich oder nahm Drogen. Ich folgte dem Verhaltensmuster: morgens aufwachen und den Getränkeshop ansteuern. Ich kaufte immer das, was ich in der Nacht zuvor getrunken hatte, um den angeschlagenen Magen zu schonen und das Zittern zu überstehen.

Dann fuhr ich aufs Land hinaus, nahm einen Drink zu mir, übergab mich und machte damit weiter, solange bis ich genug bei mir behalten konnte, damit das Zittern aufhörte.

 

Ich stellte mir vor, vor 150 Jahren geboren zu sein, wo ich ein Cowboy hätte sein können - der Büffeljäger-Typ, ganz auf mich allein gestellt. Ich verbrachte eine ganze Menge Zeit auf den Nebenstraßen des Oklahoma Panhandle in meinem Pickup mit einer Whiskyflasche. Ich dachte, dass dies alle Kids in meinem Alter tun sollten.

 

Tatsächlich hatte ich einen Freund, der nicht trank. Er sprach auf feine Art über sein "Programm". Ich hatte keine Ahnung, dass es das Programm der Anonymen Alkoholiker war. Er erzählte einfach, was er tat: nur für heute nicht trinken.

 

Ich fing an etwas gegen mein Trinken tun zu wollen. Ich ging zu einigen AA-Meetings, obwohl ich nicht zuhören konnte, schnappte ich einige einfache Dinge auf. "Nur für heute", "Halt es einfach" und "Mach es dir nicht so schwer".

Ich wusste, dass ich langsamer werden musste. Ich war immer ein 50-Meter-Mann in einem 100-Meter-Lauf gewesen und ich machte nie etwas fertig. Genau so begann ich mit AA. Ich wollte es schaffen, aber ich wollte es nicht wirklich von jemand anderem hören. Ich wollte es auf meine Art schaffen. Ich hörte: "Lass den Alkoholpegel bis unter die Ohren sinken und dann kannst Du anfangen zu hören". In den AA-Meetings traf ich Leute, die 20 Jahre trocken waren und Leute, die gerade betrunken hereinkamen. Ich war nicht mehr oder weniger wichtig als irgendjemand dort.

Nüchtern bekomme ich nicht mehr diese Bauchschmerzen, wenn ich neue Leute kennenlerne. Ich habe nicht diese ständige Angst vor der Außenwelt. Wann immer die Welt verrückt zu sein scheint, muss ich einsehen, dass ich verrückt bin, nicht die Welt.

 

Ich glaube nicht, dass ich jemals in der Lage war, den Leuten zu zeigen, was ich wirklich von ihnen hielt. Heute habe ich die Freiheit, ihnen zu zeigen, dass ich sie mag. Es ist großartig ohne Alkohol zu leben und Liebe zu empfinden wie nie zuvor.

 

Am Wichtigsten ist es: Ich wache morgens nicht auf und denke daran, wie ich high werden und dafür das Geld auftreiben könnte. Nüchternheit kann man nicht beschreiben. Sie bedeutet: frei zu sein. Nüchternheit ist das größte Geschenk - ein Geschenk, das ich nie haben wollte, aber ich bin glücklich, dass ich es habe.

 

Pia - sie schloss sich AA mit 18 an:

 

"Ich fühlte mich bei AA aufgehoben."

Ich wollte alles werden, nur niemals Alkoholikerin. Ich wollte anerkannt sein, geliebt werden, im Mittelpunkt stehen und war oft einfach zu schüchtern. Nach außen konnte ich das teilweise überspielen, aber mit Alkohol ging das wesentlich besser. Es war alles leichter, lockerer und viele Dinge, die mich sonst beschäftigten, machten mir weniger aus.

Das erste Mal so richtig betrunken war ich mit 14 im Italienurlaub. lch trank, damit ich nicht so große Angst vor meinem ersten Kuss hatte. Es ging alles so viel besser. Nur etwas trinken und ich fühlte mich groß und stark. Das Leben war bunter und nicht so eintönig und langweilig. Mit der Zeit trank ich immer mehr. Oft auch alleine zu Hause im Partykeller. Oder ich versuchte Freunde zu animieren, mit mir zu trinken.

 

Damals spielte ich in einer Feuerwehrkapelle und es war kein Problem, dort immer an Alkohol zu kommen. Einmal uferte es richtig aus als wir auf einem mehrtägigen Besuch in der Lüneburger Heide waren. Ich wachte morgens bei meiner Gastfamilie auf und mein Dirndl war am Saum zerrissen und ganz grün. Nur vage konnte ich mich daran erinnern, was geschehen war und es war mir peinlich. Die Mannschaft begrüßte mich mit meinem neuen Spitznamen "Promilla" und ich wäre gerne im Boden versunken. Andererseits war es aber auch toll so im Mittelpunkt zu stehen. Jedenfalls trank ich weiter um die Scham wegzudrücken.

Mit der Zeit wurde das Trinken immer mehr. Ich war nicht mehr in der Lage richtig zur Schule zu gehen und schwänzte sehr oft, da ich einfach keine Lust mehr hatte. Oft wünschte ich mir abends einzuschlafen und nie mehr aufzuwachen. Meine Leistungen in der Schule wurden immer schlechter. Freitags ging ich nicht hin, da für mich oft schon das Wochenende begann und montags kam ich einfach nicht hoch.

Tagsüber am Wochenende saß ich oft apathisch auf meinem Bett: Nicht in der Lage aufzustehen, zu essen und oft schaffte ich es auch eine ganze Stunde lang mit der Zigarette in der Hand dazusitzen und sie nicht anzuzünden. Am Ende des Schuljahres bin ich vom Gymnasium gegangen worden. Meinen "Quali" hatte ich kurz vorher extern irgendwie total betrunken während der Kirchweihzeit geschafft. Ich hatte für die Zukunft nichts geplant.

Als ich im Mallorca-Urlaub vor lauter Trunkenheit meine Mutter verprügelte und dann ins Bett pinkelte, hatte sie die Nase voll von mir. Sie machte mir zur Auflage in Therapie zu gehen; wenn nicht, würde sie mich hinausschmeißen. Da ich nicht auf der Straße leben wollte, fing ich an mich zu kümmern. Ich ging in eine Therapie. Für mich heute die beste Entscheidung. Ich musste zur Blutabnahme und saß dann einem Arzt gegenüber, der mir mitteilte, dass mein Gamma-GT zu hoch wäre und ich doch bitte die Anonymen Alkoholiker, die im Haus ihre Gruppe hatte, aufsuchen sollte. Für mich war das eine einmalige Angelegenheit.

Ich ging in die Gruppe und alle waren sehr freundlich zu mir. Ich erzählte auch sehr viel von mir und fühlte mich dort sehr wohl. Doch als es dann hieß, dass ich das erste Glas stehen lassen und nie wieder etwas trinken soll, kam das für mich nicht in Frage. Ich war doch erst 18 und da kann man doch noch keine Alkoholikerin sein. Also sagte ich, dass ich mit Alkohol wirklich kein Problem hätte und ging drei Wochen lang nicht mehr hin.

Freunde in der Therapie drängten mich doch noch mal mit ihnen zu AA zu gehen, und ich tat ihnen den Gefallen. Ich bemerkte schon, dass meine Geschichte sich mit den Geschichten anderer vergleichen ließ. Auch wurde mir bewusst, dass ich nie nur ein Glas trinken wollte, sondern immer so viel, bis ich nichts mehr mitbekam und so richtig besoffen am Boden lag.

Nun hatte ich ein riesengroßes Problem: plötzlich nichts mehr trinken zu "dürfen". Der Alkohol war doch mein bester Freund, mein Ein und Alles, und er machte, dass mir alles egal war. Andererseits brachte er mich in Schwierigkeiten. Ich wusste nicht mehr was ich tat, ich erkannte Leute nicht mehr, die ich angeblich kennen sollte, ich hatte furchtbare Tobsuchtsanfälle und demolierte die Wohnung, ich konnte nicht mehr in die Schule gehen, hatte Ärger mit den Menschen, die ich liebte und ich würde auf der Straße wohnen müssen.

Dies alles wurde mir allmählich klar, als ich immer öfter die Meetings besuchte. Ich fühlte mich bei AA aufgehoben und sah sie als meine Wahlfamilie an. Dort war es in Ordnung, ob ich kam oder nicht kam. Niemand machte mir Vorhaltungen oder Vorschriften. Kannten doch alle das Thema viel zu gut. Ich hatte das Gefühl, endlich nach Hause gekommen zu sein.

Als ich aus der Therapie entlassen wurde, suchte ich sofort die nächste AA-Gruppe auf. Meine Psychologin von damals war gar nicht begeistert, dass ich zu den Anonymen Alkoholikern ging, da ich ihrer Meinung nach zu jung für die Gruppe sei. Sicher war ich mit 18 Jahren mit Abstand die Jüngste. Aber es ist keine Frage des Alters und es ist keine Frage der Menge, auch ist es keine Frage, was ich getrunken habe, nur Bier, nur Wein, nur Sekt oder Härteres. Es ist ganz einfach nur die Frage der Abhängigkeit. Kann ich aufhören oder nicht? Kann ich darauf verzichten oder nicht? Nun bin ich 30 Jahre alt und bin seit 12 Jahren trocken.

Heute bin ich froh und dankbar, dass ich AA kennengelernt habe. Spaß haben, Party machen, nüchtern, ohne Alkohol und am nächsten Morgen aufwachen und sicher wissen, dass es nichts gibt, was ich nicht mehr weiß und ich mich auch für nichts mehr schämen muss.

 

Andrew - Er schloss sich AA mit 17 an

 

"Ein heller Augenblick machte mich bereit zuzuhören."

Als ich 12 war, fing ich an zu trinken. Wenn ich trank, wurden meine Gefühle, dass ich anders und minderwertig bin, unwichtig. Zuerst war ich ein Gelegenheitstrinker, der trank, wenn sich die Gelegenheit dazu ergab. Im Laufe der Zeit sorgte ich dafür, dass sich die Gelegenheit zum Trinken regelmäßiger ergab. Inzwischen war ich 13. Wenn es mir nicht gelang, es so einzurichten, dass ich mindestens an einem Abend am Wochenende trinken konnte, wurde ich gereizt und unzufrieden.

Mit 14 ging ich auf die High School und begann mit anderen Kids herumzuhängen. Einige von ihnen waren älter und wussten, wie an Alkohol heranzukommen war. Ich dachte, dass Leute, die Drogen nahmen, die Kontrolle über sich verloren hatten. Dann begann ich selbst damit. Ich dachte, dass Leute, die sich auf Schulpartys betranken, die Kontrolle über sich verloren hatten, solange bis ich das Gleiche tat. Ich überschritt meine letzte Grenze, als ich anfing, in der Schule zu trinken. Ich brachte es fertig, nicht durchzufallen und beendete tatsächlich die High School in drei Jahren (obwohl ich sogar bei meiner Abschlussfeier betrunken war). Das bewies mir, dass ich kein Problem mit Alkohol und Drogen hatte.

Mit 17 ging ich aufs College, wo ich die neu gewonnene Freiheit dazu nutzte, ständig zu trinken und Drogen zu nehmen. Ich geriet sehr schnell aus der Bahn und brach das College vorzeitig ab, weil ich nicht rausfliegen wollte.

 

Es gehörte zum Abbruch dazu, dass ich einverstanden war, mich wegen Alkohol- und Drogenabhängigkeit behandeln zu lassen. Am Anfang der Behandlung hatte ich einen lichten Moment. Wenn sich nicht etwas änderte, würde ich wieder trinken und wenn ich wieder trinken würde, landete ich genau wieder da, wo ich angefangen hatte. Dieser helle Augenblick machte mich bereit zuzuhören, was mir während der Behandlung gesagt wurde.

 

Das Programm war eine Einführung in die Zwölf Schritte der Anonymen Alkoholiker. Man sagte mir, ich solle zu den AA-Meetings gehen und anfangen, das Blaue Buch zu lesen. Ich begann mit beidem, obwohl ich mich noch immer nicht wohl in meiner Haut fühlte und noch immer vom Trinken besessen war. Ich war mir nicht sicher, ob ich das haben wollte, was die Leute in den AA-Meetings hatten, aber ich war mir sicher, dass ich das, was ich hatte, nicht wollte.

 

Es leuchtete mir endlich ein, als ich in dem Teil des Blauen Buches las, wo vorgeschlagen wird, dass man ausgehen und versuchen soll, kontrolliert zu trinken, wenn man noch zweifelt, ob man Alkoholiker ist. Es lief mir kalt über den Rücken. Ich wusste, was geschehen würde, wenn ich trinken würde: Ich würde betrunken werden. Wenn sich nichts ändert, werde ich wieder trinken und wenn ich wieder anfange zu trinken, werde ich betrunken werden. Ich war dem Alkohol gegenüber machtlos und ich war mehr als bereit, zuzugeben, dass ich mein Leben nicht mehr meistern konnte. Ich hatte den Ersten Schritt gemacht.

 

Ich fing an, mit einem Sponsor in den anderen Schritten zu arbeiten. Ich schreckte noch vor dem Gerede über Gott zurück und auch davor, Inventur zu machen, aber dennoch kam ich irgendwie voran. Ich war verzweifelt. Langsam änderten sich die Dinge in meiner Einstellung und wie ich mich täglich fühlte. Es dauerte eine Weile bis mein Trinkzwang nachließ; schließlich ging er sogar ganz weg. Ich begann an meinem eigenen Leben teilzunehmen.

 

Seit meinem ersten AA-Meeting bin ich anhaltend trocken und das war vor mehr als 20 Jahren. Ich lehre nun an einer Universität und freue mich riesig über mein Leben. Ich gehe immer noch regelmäßig zu den AA-Meetings. Die Anonymen Alkoholiker haben mir ein exzellentes Leben verschafft.

 

Al - Er schloss sich AA mit 21 an

 

„Warum ich zum College ging, wusste ich - um eine schöne Zeit zu haben ...“

 

Mit 14 betrank ich mich nach einer Tanzveranstaltung in der Schule und hatte meinen ersten Blackout. In den nächsten sieben Jahren verschlimmerte sich mein Trinken zunehmend. Ich trank, wann immer sich die Möglichkeit dazu ergab. Ich fälschte meinen Ausweis mit 15, damit ich in Bars bedient werden konnte.

Ich wurde zu einem sehr guten College zugelassen. Warum ich zum College ging, wusste ich - um eine schöne Zeit zu haben und einen Hochschulabschluss zu bekommen. Ich trat in die beste Verbindung ein und maß den Erfolg an der Hochschule an der Anzahl der Partys, der Verabredungen und wie oft ich betrunken war. Ich arbeitete nie mehr als notwendig. Die Blackouts nahmen zu. Das sah ich als ein Zeichen dafür an, dass ich meinen Spaß hatte.

 

In meinem ersten Studienjahr bestellte mich der Aufsichtsbeamte in sein Büro. Ein Freund und ich waren, nachdem die Bar geschlossen hatte, in das Apartment einer Sekretärin eingebrochen und hatten die Hälfte ihrer Sachen gestohlen. Sie zeigte uns an und wir erhielten eine Verwarnung.

 

Im Frühling wies mich der Präsident der Verbindung darauf hin, dass die Verbindungsbrüder meinten, ich sollte mich einschränken und dass ich die Verbindung in Verruf brachte. Das zweite Studienjahr war bei Weitem das schlechteste. Ich kam früh zurück und eine Woche lang war ich keinen einzigen Augenblick trocken. An den meisten Tagen versuchte ich nicht einmal Vorlesungen zu besuchen.

 

Im Dezember wurde ich wieder ins Büro des Aufsichtsbeamten bestellt und zu einem Psychiater geschickt. Der Arzt sagte mir, dass ich die Hochschule verlassen müsste, um etwas gegen mein Alkoholproblem zu tun.

 

Ich war schockiert. Welches Alkoholproblem? Ich sagte, dass ich aufhören würde, wenn ich bleiben dürfte. Aber er sagte ausdrücklich, dass ich die Kontrolle verloren hätte. An diesem Nachmittag verließ ich die Hochschule.

 

Am Tag nach Weihnachten ging ich in eine psychiatrische Klinik. Ich war bestürzt über das, was geschehen war und was weiter geschehen würde. Wenn jemand versuchte, mit mir zu sprechen, konnte ich nur noch weinen. Später war ich dann in der Lage, mit dem Arzt ganz offen über mein Trinken zu sprechen. Schließlich gab ich zu, dass ich Alkoholiker sein könnte.

 

Nach sechs Monaten wurde ich aus der Klinik entlassen. Mein Vater besuchte AA-Meetings und meine Mutter war Mitglied von Al-Anon (für Angehörige und Freunde von Alkoholikern). Früher hatte ich viele Meetings mit meinen Eltern besucht. Doch nachdem ich das Krankenhaus verlassen hatte, machte ich keinen Versuch, mit AA Verbindung aufzunehmen. Ich blieb zwei Monate trocken und dann trank ich wieder.

 

Ich trank zwei Monate lang und es ging mir immer schlechter. Nun war ich überzeugt, dass der Alkohol mir das Beste genommen hatte. An diesem Abend ging ich zu meinem ersten Meeting, und ich habe seitdem zwei Jahre lang nicht getrunken, immer nur für heute. Das erste, was mich bei AA beeindruckte, war das Verständnis der Leute in AA. Sie waren durch meine Trinkgeschichte nicht schockiert. Sie wussten, wovon ich sprach.

 

Ich ging jeden Abend zu den Meetings und nach zwei Monaten fragte ich einen Mann, ob er mein Sponsor sein möchte. Er erwies sich als meine größte Hilfe. Er gab mir Antworten und ermutigte mich, wenn nötig, damit das Programm bei mir funktionierte.

 

Zuerst störte es mich, dass ich jung war. Aber die älteren Männer, die in die Meetings kamen und im Programm lebten, waren für mich ein Ansporn.

 

A.A. hat mir Leben und geistige Gesundheit gegeben. Ich bin wieder zurück auf der Universität und werde dieses Jahr vermutlich vom Dekan ausgezeichnet. Ich versuche meine Studien, AA und die anderen Dinge, die mir Freude machen, miteinander in Einklang zu bringen. Das alles gehört mir, weil ich das erste Glas stehen lasse, nur für heute.