AA-DACH, die Zeitschrift der deutschsprachigen "Anonymen Alkoholiker" erscheint monatlich und kann ausschließlich über unser gemeinsames Dienstbüro in Deutschland bezogen werden. Die Bestelladresse finden Sie am Ende dieses Artikels.

In AA-DACH werden Erfahrungen der jeweiligen Verfasser/Innen mit dem AA-Programm (Schritte, Traditionen, Meetings-Begegnungen, Sponsorschaft etc.) veröffentlicht. Sie stellen keine Stellungnahme der Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker dar und können nicht auf AA als Ganzes bezogen werden.

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Anonyme Alkoholiker Interessengemeinschaft
Redaktion AA-DACH
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"Annehmen und Akzeptieren"
lautete das Monatsthema der Ausgabe vom August 2022.

Als Leseprobe aus dieser Ausgabe haben wir folgenden Artikel ausgewählt:

 

Hinnehmen geht gar nicht!

Hinnehmen klingt für mich, Ingrid, Alkoholikerin, absolut passiv, so wie „sich seinem Schicksal ergeben". Das passt nicht zu mir! Das kann ich auch nicht! Einfach ohne zu maulen, ohne mich wehren zu müssen, ist es für mich sehr schwierig, das, was eben ansteht, einfach hinzunehmen. Meine erste Reaktion ist immer das Aufbegehren. Aufgrund meiner Inventuren weiß ich, dass ich mit Hilflosigkeit, mit Ohnmacht, mit Machtlosigkeit so gar nicht umgehen kann. Ich werde dann aggressiv, zornig, wütend – und das tut mir ja nie gut! Ein AA Freund hat mich mal „magmatisch“ genannt. Ich denke, er hat recht: In mir köchelt immer Magma vor sich hin, sucht als Lava einen Weg in die Freiheit; und wenn es so weit ist, bricht der Vulkan dann tatsächlich aus, ich explodiere! Während meiner Trockenheit bemühe ich mich täglich aufs Neue, gelassen zu bleiben, meinen inneren Frieden zu bewahren. Es gelingt mir auch manchmal, ich denke, auch immer öfter – aber doch nicht stets!

Annehmen klingt nach „Müssen“!

Es gibt nur zwei „Dinge, die ich nicht ändern“, die ich aber auch klaglos annehmen kann. Das eine im Leben, das ich so lassen kann, wie es war, ist meine Vergangenheit. Da habe ich auch kein Bedürfnis, daran herumzudrehen oder das eine oder andere zu beschönigen oder schönzufärben. Da kann ich auch hinschauen, analysieren und ohne Gewissensbisse damit leben! Im Gegenteil, ich erkenne meine Vergangenheit als das an, was meinen Charakter, mein Ich geformt und geprägt hat. Im Meeting habe ich gehört, dass „der Mist von gestern der Humus von morgen“ wird. Ich wäre heutzutage nicht ich, wenn mein Leben anders verlaufen wäre. Vor Jahren hat meine jüngere Tochter beschlossen, ihren Familiennamen ändern zu lassen, weil sie nicht mehr so heißen wollte wie ihr Vater. Sie schlug auch vor, dass ich meinen Familiennamen aufgeben sollte. Damals kam ich zu dem Entschluss, ihn zu behalten, weil er auch ein Teil dessen ist, was ich heute bin. Diese Vergangenheit muss ich also annehmen, sie lässt sich nicht mehr ändern, sie bleibt, wie sie ist! Im Nachhinein ist da nichts mehr zu verändern!

Ebenso muss ich die Krankheit voll annehmen, die ich nur im Moment stilllegen kann, die aber nicht zu heilen ist. Sollte ich mich dazu versteigen, den Alkoholismus, den ich habe, zu ignorieren oder zu vergessen, besteht die Gefahr, dass ich wieder trinke. Da bin ich besonders vorsichtig! Ich rieche an allen Lebensmitteln, frage immer wieder, ob Alkohol in den Speisen ist, vermeide Nuss-, Mohn- und Vanille-Gebäck, alle „Tropfen“ aus der Apotheke usw. Eine AA-Freundin hatte mal eine wehe Schulter und wollte sie nach den früheren Methoden mit Franzbranntwein kurieren. Also schmierte sie die kranke Schulter immer wieder ein und genoss den Geruch des Alkohols. Schließlich reichte der Geruch nicht mehr aus und sie musste wieder zum Glas greifen. Auch das ist mir eine Lehre! Ich sehe mich gut vor! Ein Sanitäter wunderte sich über meine Aussage, dass ich gegen Alkohol allergisch sei. Daraufhin ergab sich eine heftige Diskussion über Alkoholismus. Er war der Ansicht, dass man nach 20 trockenen Jahren kein Alkoholiker mehr sei. Es war ihm nicht beizubringen, dass die Krankheit fortschreitend und tödlich sei, dass sie nur zum Stillstand gebracht werden kann. Hoffentlich hat ihm der Vergleich, dass aus einer eingelegten Gewürzgurke auch keine frische grüne Salatgurke mehr werden kann, schließlich eingeleuchtet.

Akzeptieren ist die Lösung!

Interessanterweise kann ich auch das nur, wenn ich es mit meiner Höheren Kraft in Verbindung bringe. Im April 2020 habe ich mir meinen Knöchel gebrochen und wusste sofort, just in diesem Augenblick, dass ich Ruhe geben sollte, in meinem Leben, auch in AA! Ich bemühte mich sehr, wirklich still zu sein und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Dadurch brachte ich die Geduld auf, wochenlang im Spital zu liegen, monatelang nicht aufzutreten, sondern durch die Wohnung zu hüpfen, zwei Jahre lang nicht Auto zu fahren, und bis heute meinem Lieblingshobby, dem Schwimmen, nicht mehr nachzugehen. Ich war selbst erstaunt darüber, dass ich diesen Gleichmut, diese trotzdem heitere Gelassenheit während dieser beiden Jahre aufbringen konnte. Offensichtlich genügt mir das Geschehen rund um mich nicht, ich brauche gleichzeitig eine handfeste Begründung. Finde ich diese, fällt es mir leichter, das Geschehene zu akzeptieren.

Mit dem fortgeschrittenen Alter fällt es mir auch immer leichter, mich selbst mitsamt meinen Charakterfehlern zu akzeptieren. Durch die vergangenen Inventuren, durch immer wiederkehrende Versuche, für Veränderungen bereit zu sein, durch demütiges Bitten, Belastungen von mir zu nehmen, lernte ich nicht nur mich selbst immer besser kennen, sondern auch immer friedlicher mit mir selbst zu leben. Ich muss da nur aufpassen, dass ich Toleranz, Gelassenheit und Wohlwollen nicht mit Gleichgültigkeit verwechsle. Indifferenz ist nicht das Gleiche wie Ausgeglichenheit. Es heißt nicht umsonst, Fortschritt sei wichtiger als Perfektion!

Ein Hoch auf das lebenslange Programm!

Gerade weil ich inzwischen meist friedlich mit mir selbst leben kann, bin ich für dieses Programm von AA unendlich dankbar! Es hat mir meine Zufriedenheit, meine Fröhlichkeit, meine Lebensqualität erst ermöglicht. Nie hätte ich das alles erreicht, hätte ich nicht AA gefunden und an den Tischen sitzen bleiben können. Wenn dann zwischenzeitlich Unzufriedenheit mit mir selbst auftaucht, wenn sich Rückschläge in alte Verhaltensmuster ergeben, dann bin ich unendlich dankbar, dass in den Meetings immer wieder gesagt wird, dass es ein lebenslanges Programm ist, man also mit den Änderungen und Verbesserungen nie fertig sein wird, außer man hat sein Leben beendet. Gut so! Mir bleibt also sicherlich noch Zeit, verändern zu lassen, ich kann Stress, dass ich nicht schnell genug bin, nicht brauchen!

Ingrid, Wien

 

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