AA-DACH, die Zeitschrift der deutschsprachigen "Anonymen Alkoholiker" erscheint monatlich und kann ausschließlich über unser gemeinsames Dienstbüro in Deutschland bezogen werden. Die Bestelladresse finden Sie am Ende dieses Artikels.

In AA-DACH werden Erfahrungen der jeweiligen Verfasser/Innen mit dem AA-Programm (Schritte, Traditionen, Meetings-Begegnungen, Sponsorschaft etc.) veröffentlicht. Sie stellen keine Stellungnahme der Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker dar und können nicht auf AA als Ganzes bezogen werden.

Die kommenden Monatsthemen finden Sie hier: externer Link

"Durch Krisen ohne die Krücke Alkohol"
lautete das Monatsthema der Ausgabe vom Februar 2022.

Als Leseprobe aus dieser Ausgabe haben wir folgenden Artikel ausgewählt:

Alkohol als Lebenshilfe

Oft habe ich, Ingrid, Alkoholikerin, in den Meetings gehört, wie Freundinnen und Freunde beschrieben haben, dass sie in ihrem Leben so unglücklich waren, dass der Alkohol wie Medizin verwendet wurde, damit ihr Überleben gesichert war! Er war sozusagen die erste Wahl, durch ihn wurde der Selbstmord verhindert. Ich habe den Alkohol auch zuerst als Schlaftablette verwendet, damit das Einschlafen am Abend schneller funktionierte! Bis die Sucht siegte und der Alkohol ausgiebig um sich griff, ich nicht mehr aufhören konnte, ich also täglich rund um die Uhr betrunken war. Die Lebenshilfe hatte sich zu einem schleichenden Suizid gewandelt. Sich mit Alkohol zu Tode zu saufen ist wirklich eine Wahnsinnsidee – es geht viel zu langsam und bedeutet ein sehr langes Elend!

Fluchtmechanismus
Gleich in den ersten Meetings wurde mir klar, dass ich immer wieder meinen Fluchtmechanismen folgte, oft ohne lange nachzudenken! Allerdings musste ich dann auch nicht mehr trinken! Als mir klar wurde, dass auch Probleme im Alkohol wie mit Schwimmflügerln immer wieder auftauchten, war klar, dass Davonlaufen keine Option mehr war. Manchmal musste ich ganz einfach durch die Situation durch! Gelernt habe ich das gleich zu Beginn meiner Trockenheit, als ich mir den linken Arm beim Eislaufen gebrochen hatte, im Meeting saß und so tat, als wäre nichts passiert! Natürlich sprachen die Freundinnen und Freunde mein Verhalten an. Sie machten mir klar, dass ich sofort nach dem Meeting ins Spital musste – man konnte einfach so manches nicht ignorieren! Gott sei Dank hatte ich diese Gruppe mit diesen Menschen gefunden. Sie haben mir das Leben ohne erhobenen Zeigefinger – nur als Vorbilder – beigebracht.

Auch heute heißt es für mich noch auf der Hut zu sein! Immer wieder komme ich in ausgetretene Elefantenpfade meines „alten Lebens“. Dank so einiger Inventuren kann ich heute schneller erkennen, dass ich schon wieder fliehen möchte oder beginne, alten Mustern zu folgen. Spätestens beim täglichen 10. Schritt komme ich drauf, was heute mit mir los war bzw. ist! Und wenn nicht? Ich habe in AA so viele echte Freundinnen und Freunde gefunden, die mir ehrlich und offen sagen (und sagen dürfen!), dass etwas mit mir nicht stimmt. Die stehen auch alle auf meiner Dankbarkeitsliste!

Lorbeeren
Mich auf Lorbeeren auszuruhen kommt mir nicht in den Sinn, ich hätte sie ja dann auf dem falschen Körperteil! Auf dem Kopf mag ich sie auch nicht, weil sie stechen, also: KEINE LORBEEREN! Nur Gnade und Geschenke! Von Ausruhen ist auch nicht die Rede, haben wir doch eine einzige Aufgabe, nämlich die Botschaft weiterzugeben! Und das gilt immer! Da sollte ich sicherlich die Öffentlichkeit informieren! Natürlich sollte ich mich auch um die/den leidenden AlkoholikerIn (die/der kann übrigens auch im Meeting sitzen!!!) kümmern! Das Wesentliche aber ist es, meine Lebensfreude nicht vergehen zu lassen. Jeder hat wohl mal mehr und mal weniger davon, aber ganz schrecklich ist es, wenn die Freude stirbt! Dann gibt es auch keine Botschaft mehr, die weiterzugeben wäre. Ohne Lebensfreude kein 12. Schritt!

Momentan schlage ich mich damit herum, meinen Schwung, meine Tatkraft wieder zu erwerben, sie wieder zu entdecken, sie zu reanimieren! Das ist schwierig, obwohl ich ganz genau weiß, an welchen Stationen mir immer ein Stück meines Elans verloren gegangen ist! Bevor ich in Verzweiflung versinke, rufe ich mir gewöhnlich mein absolutes Vertrauen in das Gruppengewissen (Gruppe, Regionen, Intergruppen, GDK, GDA, Orga-Team beim DLT, …) herbei. Diesen Glauben bringe ich dann in meine geistigen Diskussionen ein. Ich versuche auf das Dogma zu vertrauen, dass alles am Ende, auch in AA, gut ist. Trotzdem melden sich andauernd Zweifel! Mir fällt dann schon die Bemerkung einer AA Freundin ein, die überzeugt davon war, dass am Ende alles gut wird und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht zu Ende! Da finde ich Trost und wieder meinen inneren Frieden!

Wertvolle Zeit?
Aus der Trinkerzeit kann ich mich noch gut daran erinnern, dass ich zu Beginn des Tages sehnsüchtig darauf wartete, dass die Stunden schneller vergingen und der Abend kam, damit ich schlafen gehen konnte. Schließlich endete auch dieser anfängliche Wunsch einfach in folgendem Verhalten: so lange trinken, bis die Müdigkeit einsetzte und ich einfach umfiel und in Bewusstlosigkeit versank. Ich war dankbar für die „geistige Umnachtung“, sie gönnte meinem konstanten Denken und Grübeln eine Pause!

Heute habe ich in AA, in der Familie und bei Freunden, sogar bei meinen Nachbarn so viel zu tun, dass mir manchmal die Zeit zu kurz wird. Ich könnte pro Tag einige Stunden mehr gebrauchen! Pausen und geistig-seelische Leerläufe muss ich mir selber verordnen! Es ist einfacher, vieles für andere zu tun, ich sollte dabei aber nicht auf mich selbst vergessen! So wünsche ich euch denn, dass ihr auch keinen Mord an eurer Zeit begehen müsst, schlagt einfach die Zeit nicht tot, gebt ihr Sinn und eine Chance!

Ingrid, Wien

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