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AA-DACH, die Zeitschrift der deutschsprachigen "Anonymen Alkoholiker" erscheint monatlich und kann ausschließlich über unser gemeinsames Dienstbüro in Deutschland bezogen werden. Die Bestelladresse finden Sie am Ende dieses Artikels.

DACH Cover 18 08

In AA-DACH werden Erfahrungen der jeweiligen Verfasser/Innen mit dem AA-Programm (Schritte, Traditionen, Meetings-Begegnungen, Sponsorschaft etc.) veröffentlicht. Sie stellen keine Stellungnahme der Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker dar und können nicht auf AA als Ganzes bezogen werden.

Die kommenden Monatsthemen finden Sie hier: externer Link

"Anderen verzeihen"
lautete das Monatsthema der Ausgabe vom August 2018.

Als Leseprobe haben wir für Sie einen Artikel zum diesem Monatsthema ausgewählt:

Vergebung entgiftet.
Immer! In jedem Fall!

Mein Name ist Ingrid, ich bin eine fröhlich vor sich hin genesende Alkoholikerin! Betonung liegt auf „fröhlich“ und „genesend“, nicht einfach nur trocken oder gar staubtrocken!

In meiner Jugend bin ich nicht nur dem Gruppendruck gefolgt, ich habe ihn zum Teil selbst mitgestaltet! Manipulation ist eine sehr bestrickende, wahrscheinlich auch süchtig machende Technik! Und je nachdem, was gerade chic, modern oder angesagt war, habe ich mich danach gerichtet. Aber mich trafen natürlich auch die Negativbewertungen der Gruppe. Dann versuchte ich mich anders zu kleiden, anders zu verhalten, anders zu sein! Wenn das nicht so gut gelang, war die Gruppe daran schuld, dass ich mich so elend fühlte. „Genau wie du habe ich mich oft als Opfer dessen gesehen, was andere Menschen sagen und tun.“ („Wie Bill es sieht“ Nr. 268) Das galt auch für meine Beziehungen! Es war mir auch extrem wichtig, was sie sagen und tun und dadurch war ich einer Hochschaubahn der Gefühle ausgeliefert, je nachdem, wie die Meldungen der Anderen angekommen waren. Bei persönlicher Kritik war ich natürlich besonders empfindlich (und bin es manchmal auch noch jetzt!) und habe die Vorwürfe oft als böswillig abgetan, habe sie schöngefärbt oder schöngeredet, konnte sie also in keinem Fall wirklich so annehmen, wie sie waren, und möglicherweise sehen, was da zu verbessern gewesen wäre.

Fremde Inventur

Wenn ich mich recht erinnere, begann dieses „Ausrichten“ der anderen in der Pubertät. In meiner Kindheit kann ich mich nicht an Redereien über andere erinnern. Aber in dem Augenblick, in dem man sich mit sich selber zu beschäftigen beginnt, kommen automatisch auch die anderen ins Visier! Da ist es schon so, dass man eher den Span im Auge des Anderen sieht, aber den Balken vor den eigenen Augen nicht. Es hat uns unglaublich viel Spaß gemacht, jede Eigenschaft, jede Emotion, jedes Verhalten und Gehabe in kleinste Teile zu zerlegen und daraus Schlüsse auf den Charakter des anderen zu ziehen!

Dieses Reden über andere verfestigte sich und hielt sich während der gesamten Schulzeit, während des Studiums und schließlich auch während der Berufszeit. Besonders freundlich war dieses Gerede wohl nie, meist wurden die anderen schlechter gemacht als sie waren. Trotzdem habe ich das sehr gerne getan! Besonders schlimm wurde das dann während meiner Trinkzeit – da kam ja noch dazu, dass ich von mir selbst ablenken wollte. Je mehr die anderen in mein Blickfeld rückten, desto böser wurden die Bemerkungen. Ich weiß wohl nicht, ob meine Mitmenschen davon etwas mitbekommen haben, aber: „Jedes Mal, wenn ich über die Fehler anderer Menschen sprach, besonders über solche, die ich selbst nicht hatte, richtete ich noch größeren Schaden an.“ („Wie Bill es sieht“ Nr. 268). Erst nach dem Trocken werden und in den Meetings wurde mir klar, was da psychologisch und soziologisch ablief. Meine Liste im 8. Schritt hat meine Augen klar und groß werden lassen! Unglaublich, wie viel ich da angerichtete hatte! Die Groll Liste tat ihr übriges!

Spieglein, Spieglein an der Wand…

Es bleibt wohl keinem, der in die Meetings geht und versucht, das Programm der AA zu leben, verborgen, dass es wohl gut wäre, im 4. Schritt die Inventur zu machen und verschiedene Listen anzulegen. Meine Inventuren und Listen gleichen über die Jahre den Zwiebelschalen. Mit jeder Selbsterforschung kam ich meinem inneren Kern näher. Mein Spieglein an der Wand lieferte immer genauere Bilder meines Inneren. Jedes Mal kam ich mir ein bisschen schneller auf die Schliche, durchschaute meine eigenen Tricks und Dramen etwas besser. Trotzdem bringe ich es auch heute noch fertig, mich selbst zu überraschen! Darüber kann ich aber inzwischen ganz herzlich lachen! Ich versuche, mir meinen Teil des Geschehens anzuschauen, wenn auch oft erst im zweiten Durchgang, nachdem ich im ersten Durchgang einem anderen die Schuld umhängen konnte. „Wenn heute jemand über mich spricht, wodurch ich mich verletzt fühlen könnte, frage ich mich zuerst, ob nicht ein Körnchen Wahrheit daran ist.“ („Wie Bill es sieht“ Nr. 268) Da muss ich aber gleich gestehen, dass ich das nur dann fertigbringe, wenn ich die Kritikerin, den Kritiker wirklich gerne mag. Wenn mich einer meiner „Reibebäume“ kritisiert, werde ich ganz still, innerlich zornig, grollend, nachtragend und brauche dann viel Zeit, mich mit dem wirklichen Hintergrund der Bemerkung zu beschäftigen.

Wenn Du mit dem Zeigefinger auf einen anderen zeigst, zeigen drei Finger auf dich!

Einer meiner wohltuendsten Gewinne in der AA ist es, dass ich verletzenden Klatsch unterlassen kann. Ich rede ganz einfach nicht über andere! Aus, Schluss, Pasta! In AA nicht und im „wirklichen“ Leben auch nicht! In AA spricht jeder nur von sich selbst! Hilfreich war auch mein Begriff von Anonymität und die Tafel „Wen du hier siehst, was du hier hörst, lass es hier!“ Ein ganz einfacher Satz hilft mir da auch bei den andern weiter: „Erzähl das nicht mir, sondern ihr/ihm selbst!“ Das wirkt immer! Damit stelle ich die „Plaudertaschen“ schnell ab!

… und wenn Sie wissen wollen, wie es der Verfasserin weiter ergangen ist, dann abonnieren Sie doch einfach diese Zeitschrift!

Die Bestelladresse für unsere Monatszeitschrift AA-DACH lautet: 

Anonyme Alkoholiker Interessengemeinschaft
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Der Preis beträgt 2,25 € pro Exemplar zuzüglich Versandkosten.

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