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AA-DACH, die Zeitschrift der deutschsprachigen "Anonymen Alkoholiker" erscheint monatlich und kann ausschließlich über unser gemeinsames Dienstbüro in Deutschland bezogen werden.Die Bestelladresse finden Sie am Ende dieses Artikels.

In AA-DACH werden Erfahrungen der jeweiligen Verfasser/Innen mit dem AA-Programm (Schritte, Traditionen, Meetings-Begegnungen, Sponsorschaft etc.) veröffentlicht. Sie stellen keine Stellungnahme der Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker dar und können nicht auf AA als Ganzes bezogen werden.

Die kommenden Monatsthemen finden Sie hier: externer Link

"Dinge hinnehmen - Dinge ändern"
lautete das Monatsthema in der Ausgabe vom Jänner 2015.

Als Leseprobe haben wir für Sie einen Artikel zum diesem Monatsthema ausgewählt:

 Hinnehmen geht schon gar nicht!
Wenn ich, Ingrid, Alkoholikerin, höre, dass jemand etwas hinnehmen muss, dann entsteht in mir immer das gleiche Bild: Da kauert oder kniet eine graue, dunkelgraue, schwarze Gestalt, schwer gebeugt vom Schicksal, den Rücken rund, die Schultern vorgezogen, den Kopf gesenkt, die Gott ergeben, still und demütig, wie ein geborener Märtyrer, das Schicksal hinnimmt und stumm vor sich hin leidet. Nichts von dem passt zu mir! Zu wenig Gott ergeben, zu wenig gelassen, selten demütig, selten still, Märtyrer bin ich seit meiner Scheidung auch nicht mehr, ich bin nicht stumm, und ich bin auch nicht mehr bereit zu leiden! Was nun? 

Annehmen klingt schon besser!

Letzthin habe ich in einem englischen Meeting gehört: "Name it - claim it - dump it!" Benennen kann ich schon ganz gut, habe schon viele 24 Stunden in AA lernen dürfen, dass ich immer MEINE Inventur zu machen habe und nicht die der anderen! "Claim" klingt so gar nicht nach passiv hinnehmen, sondern eher nach einer Forderung, sich die Dinge "zur Brust" zu nehmen und damit umgehen zu lernen. Ich setze mich ja auch nicht mehr mit den Menschen oder Dingen auseinander, ich setze mich mit ihnen zusammen! Erst wenn ich Personen oder Dinge "zur Brust genommen habe", kann ich entscheiden, ob ich sie annehmen muss bzw. kann oder ob ich sie loslassen bzw. fallen lassen will. Beim Annehmen habe ich so das Bild der ausgestreckten Arme, die dann etwas zu mir her ziehen, das ich dann an mich drücken kann. Für mich ist das der richtigere Weg Dinge hinzunehmen, weil es nicht nur ein aktiver Vorgang ist, sondern auch meine Entscheidung symbolisiert, etwas an mich heranzulassen, an mich zu nehmen.  

Kann ich´s ändern?

Ja, was kann ich denn wirklich ändern? Mir liegt die Faulheit und Trägheit nicht im Blut, die Gelassenheit auch nicht sehr, am ehesten noch die Heiterkeit! Ich lege meist zu viel Aktivität an den Tag! Daher muss ich aufpassen, dass ich nicht übers Ziel hinausschieße! Tatsächlich weiß ich aber auch, dass es da nicht viel zu ändern gibt! Bei meinen Lebensbedingungen ist alles zu meiner Zufriedenheit, ich wohne schön, liege in 5 Minuten im Sommer im Wasser der Neuen Donau, bin in 3 Minuten auf den Radwegen, die mich quer durch Wien führen, habe vor allen Fenstern einen Garten, da ist es ganz still, höre nur die Vögel singen! Ich lebe zurzeit allein und erspare mir dadurch viele Emotionen, die mir Unmut bereiten, aber natürlich auch die wohltuenden. Mit meinen Kindern und Kindeskindern komme ich gut aus, auch mit meinen Schwiegerkindern, was ja gar nicht so selbstverständlich ist, und die ihrerseits scheinen mit mir auch gut zurecht zu kommen. Da ernte ich viel Verständnis, ebenso von meinen Freunden!

Ich bin rundherum in AA eingebettet, bin umgeben von AA-Freunden, von AA-Aufgaben, von AA-Angelegenheiten, von AA-"Sponsor-Kindern", von AA-Diensten, von Arbeiten in AA, von AA-Gedanken! Und da, in AA, bin ich auch in meiner Mitte, gut aufgehoben und auf dem rechten Platz. Da gibt es nichts zu ändern, so möchte ich das, so soll es sein, das ist meine Lebensversicherung  und da zahle ich die Prämie gerne!!!

Änderung wäre wünschenswert!

Das einzige, das ich vielleicht ändern kann, bin also ich und meine Verhaltensweisen. Aber selbst da "lasse" ich lieber ändern, was immer ich will, gelingt meist sowieso nicht! An mir liegt es sicherlich, bereit zu sein ändern zu lassen! Auch das habe ich in AA gelernt, so wie alles, was ich heute leben kann! Ich brauche nur darauf zu achten, dass ich ehrlich und wahrhaftig bereit zu Veränderungen werde! Glaubt es mir, das ist harte Arbeit!

Wo ich verdammt aufpassen muss, sind meine Grenzen! Die scheinen sich von Tag zu Tag immer wieder zu ändern, und zwar immer zu meinem Nachteil! Ich leide immer noch unter dem Stigma des Nicht-Nein-Sagen-Könnens und des Na-das-mache-ich-schon-Phänomens! Meine persönlichen Grenzen muss ich also täglich überprüfen und achtgeben, dass nicht wieder jemand in meinen Vorgarten spuckt, dessen Sekret ich dort nicht haben will! Es ist manchmal unglaublich, was ich alles leisten kann, solange, bis mir die Luft ausgeht - und dann bin ich die Arme, an der alles hängen bleibt! Und wie ich da leiden kann! Gott sei Dank habe ich es auch gelernt, mich in diesem so schmerzhaften Selbstmitleid nur mehr zu duschen, aus der Badewanne steige ich dann meist recht rasch raus, auf leichte oder heftigere Depressionen habe ich keine Lust! Ich bleibe lieber auf der Sonnenseite der Straße!

Ich bete darum, dass ich meine heitere Gelassenheit auch in angespannten Situationen bewahren kann, aber auch darum, dass diese "Gelassenheit" nie in die Gleichgültigkeit abgleiten möge. Das wünsche ich Euch!

Ingrid, Wien

 

Die Bestelladresse für unsere Monatszeitschrift AA-DACH lautet: 

Anonyme Alkoholiker Interessengemeinschaft
Literaturvertrieb
Postfach 11 51
84122 Dingolfing
Deutschland

Es sind auch Bestellungen per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! unter Angabe des Namens und der Zustelladresse (bitte kein Postfach) möglich.

Die Zusendung erfolgt in einem undurchsichtigen Kuvert mit dem neutralen Absender Literaturversand.

Der Preis beträgt 2,25 € pro Exemplar zuzüglich Versandkosten.

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